Archiv der Kategorie: Sicherheit

Bremens erste Fahrrad-Premiumroute soll 2022 fertiggestellt sein

Endlich ist es soweit: Der Eintritt in das formelle Beteiligungsverfahren für die Fahrrad-Premiumroute „Wallring“ wurde heute von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (kurz: SKUMS) bekanntgegeben.

Der „Wallring“ ist der Teil des 43 km langen Premium-Radweges D 13 von Bremen Farge bis Mahndorf, der das Umfahren der Bremer Innenstadt für Radfahrere*innen auf eine komfortable und schnelle Art und Weise erlauben soll.  Auf der Pressekonferenz hob die Senatorin den Wallring  als Teil der neuen Realität und Zeichen für die Bremer Verkehrswende hervor.

Details und Gestaltungskonzept können der Pressemitteilung des Senates entnommen werden. Das nun folgende Beteiligungsverfahren soll zügig erfolgen, sodass der Baubeginn im Sommer 21 erfolgen kann und die Baumaßnahmen im Herbst 22 abgeschlossen werden können.

Sichere Wege für alle – Offener Brief

Changing Cities Berlin hat am 14.4. einen offenen Brief an Verkehrsminister Scheuer veröffentlicht, in dem die Einrichtung Corona-sicherer Geh- und Radwege gefordert wird. Bremer Initiativen haben nun einen offenen Brief gleicher Zielrichtung an den Bremer Senat und die Bremer Bürgerschaft gerichtet:

Bremer Initiativen für die Verkehrswende fordern eine sichere Infrastruktur für alle Fußgänger*innen, Radfahrende und Nutzer*innen des öffentlichen Nahverkehres

(Foto: grn) Kaum Autos auf der zweispurigen Fahrbahn, Einhalten der Corona Sicherheitsdistanz auf Fuß- und Radweg häufig nicht möglich.

Fuß und Rad: Mehr Platz und sichere Fuß- und Radwege, die die nötigen Sicherheitsabstände ermöglichen.
BSAG: Mehr Fahrzeuge in Spitzenzeiten und Hilfen für die BSAG zur Gewährleistung erhöhter Hygienestandards in ihren Fahrzeugen.

Lesen Sie den Brief im Wortlaut hier:

Sehr geehrte Mitglieder des Bremer Senates,
Sehr geehrte Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft,

die Coronakrise und die Kontaktbeschränkungen verändern die persönliche Mobilität aller Menschen in Deutschland deutlich. Während der private Autoverkehr stark zurückgegangen ist, sind – auch der Empfehlung des Gesundheitsministers folgend – immer mehr Menschen auf dem Rad und zu Fuß unterwegs. Für diese – schon lange vor und unabhängig von der Corona- Krise – gewünschte Veränderungen der Verkehrsmittelwahl ist die Raumaufteilung im öffentlichen Raum jedoch nicht ausgelegt. Damit nun zumindest die, angesichts der Pandemie empfohlenen Sicherheitsabstände eingehalten werden können, braucht es unmittelbar und dringend eine angemessenere Aufteilung des Straßenraums.

Zu Fuß gehende Menschen brauchen mehr Platz, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können. Auf den aktuell zudem oft illegal zugeparkten Gehwegen, auf ohnehin zu engen Gehsteigen mit unmittelbar angrenzenden Radwegen ist dies vielerorts zurzeit nicht einmal annähernd möglich. Bürgerinnen und Bürger, die jetzt zu Fuß gehen und aufs Rad umsteigen, brauchen leicht zu findende und sichere Wege. Nutzer*innen des ÖPNV müssen vor Ansteckung geschützt ihre Ziele erreichen können. Dies geht nur mit dem nötigen Raum; eine positive Erfahrung, Wege sicher zurücklegen zu können, unterstützt die klimapolitisch so notwendige Entscheidung, auch nach der Corona-Krise weiterhin auf das Auto zu verzichten.

Immer mehr Städte weltweit schaffen jetzt zum Beispiel temporäre geschützte Radfahrstreifen – kurz: Pop-Up-Bikelanes. Die kolumbianische Metropole Bogotá hat es vorgemacht und Berlin hat gezeigt, dass dies quasi über Nacht auch hierzulande möglich ist. Das kann auch Bremen.

Die wichtigsten Maßnahmen, die schnell ermöglicht werden sollten, sind:

  • Gehwege verbreitern: Das Verlegen von Parkplätzen von den Fußwegen auf die Fahrbahnen hilft schnell und einfach, um Fußwege zu verbreitern.
  • Geschützte Radfahrstreifen auf der Fahrbahn: Breite und gut erkennbare temporäreRadstreifen (Pop-Up-Bikelanes) helfen auch Neu-Radfahrenden, sichere Wege durch die Stadt zu finden. Wo Radverkehr derzeit über Gehwege geführt wird, kann er so auf die Fahrbahn verlegt werden, damit Platz auf Fußwegen geschaffen wird. Dazu eignen sich temporäre Radfahrstreifen als auch die Einrichtung von temporären Fahrradstraßen.

Prioritär sollen für folgende Straßen Pop-Up Radfahrstreifen umgesetzt werden:

  • Martinistraße: Aktuell sind Rad- und Gehwege in derselben Pflasterung ausgeführt und für innerstädtische Verhältnisse ohnehin zu schmal.
  • Wilhelm Kaisen-Brücke, Leibnizplatz, Friedrich-Ebert-Straße. Schutz und Förderung des Fußgängerverkehrs sind hier besonders wichtig, denn die Gehwege sind schmal bei viel Durchgangsverkehr auch aus den anliegenden Geschäften.
  • Neuenlander-Straße. Die Neuenlander Straße stellt eine wichtige Querverbindung für den RV dar, verfügt aber zu Teilen nicht einmal über einen Radweg.
  • Lesumer Heerstraße (ab Haltestelle Holthorster Weg bis Am Lehnhof). Hier gibt es einen Schutzstreifen, der häufig von Bus- und Motorverkehr mitbenutzt wird. Radfahrende fühlen sich nicht sicher und weichen deswegen auf den Gehweg aus.
  • Angepasstes ÖPNV-Angebot: Im Zuge wieder zunehmender Nachfrage werden zu den Peakzeiten zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, um Sicherheitsabstände auch im ÖPNV zu ermöglichen. Födermaßnahmen der Stadt für Hygienemaßnahmen zum Schutz vor Ansteckung.
  • Temporäre verkehrsberuhigte Straßen: Maßnahmen wie der Einsatz modaler Filter oder Verengungen der Fahrbahn können kurzfristig Wirkung zeigen. So können sich Radverkehr und zu Fuß gehende Menschen bestmöglich auf der Straße incl. Fahrbahn verteilen und die Fortbewegung vor der Tür in ausreichendem Abstand zu anderen Menschen wird möglich. Provisorische Verkehrsberuhigung hilft auch bei der Entlastung von Parks und ermöglicht den Menschen gesunde Bewegung ohne Ansteckungsgefahr.
  • Grünphasen für nicht-motorisierten Verkehr verlängern: Da aktuell deutlich mehr Menschen auf Fahrrädern und zu Fuß unterwegs sind, braucht es für sichere Kreuzungssituationen mehr Zeit in den Grünphasen. Kurze Grünphasen sind kontraproduktiv, da viele Menschen sich eng zusammendrängen müssen, um die Straße rechtzeitig überqueren zu können.
  • Geschwindigkeitsreduktion: Korridore mit Tempo 30 reduzieren die Unfallgefahr und erhöhen die gefühlte und tatsächliche Sicherheit.
  • Märkten unter freiem Himmel mehr Platz geben: Wochenmärkte sollten auf angrenzende Flächen wie Straßen oder Parkplätze erweitert werden, um genügend Raum für Warteschlangen mit Abstand zu schaffen.Neben der aktuell präsenten Corona-Krise ist auch die Klima-Krise weiter eine reale und akute gesundheitliche Bedrohung. Die geforderten Maßnahmen tragen beidem Rechnung und sorgen für eine erhöhte Sicherheit in Pandemie-Zeiten und stärken langfristig den Umweltverbund. Auch bei auf die Krise folgenden Konjunkturpaketen fordern wir den Bremer Senat und die Bürgertschaftsfraktionen auf, die Klimanotlage zu berücksichtigen und entsprechend zu handeln.
 

Mit freundlichen Grüßen im Namen des Bremer Bündnisses für die Verkehrswende und der unterzeichnenden Initiativen,
Lisa Tschink, Wolfgang Köhler-Naumann, Manuel Warrlich

VCD,  BUND,  ADFC,  FUSS e.V.,  Platz da!,  einfach einsteigen,  Fridays for Future,  Forum Verkehrswende Neustadt,  Mobilitätswende-Initiative Findorff,  attac,  autofreier StadTraum

Kontakte:
Lisa Tschink, lisa.tschink@bund-bremen.net, +49 176 539 395 31

Wolfgang Köhler-Naumann, wo.koehlern@freenet.de, +49 157-37340813

Weiterführende Links:
Infoseite zur Einrichtung temporärer Radstreifen in Berlin inkl. Regelpläne

Pressemitteilung,  Changing Cities

Pressemitteilung VCD

Pressemitteilung BUND Bremen

Pressemitteilung ADFC Bremenl

FUSS e.V.

Fahrradfahren auf der Fahrbahn?

Nein! Mehr Platz für alle Menschen ohne Motor!

Irgendwas stört mich an der Vorstellung, dass man/frau als RadfahrerIn auf der Fahrbahn fahren „soll“. Dadurch wird das Fahren stressiger und gefährlicher, wenn man automatisch „ungleich“ auf das „Spielfeld Mischverkehr“ gezwungen wird und der/die „schwächere“ (und diesen Begriff find ich äußerst problematisch) VerkehrsteilnehmerIn ausgeschlossen wird. Wer mit Kindern unterwegs ist, muss auf die viel zu engen Bürgersteige ausweichen, oder wer sich im Mischverkehr nicht wohlfühlt, fährt dann gar nicht Rad oder sogar lieber Auto.  Die Konflikte, der Stress, wären nicht vorhanden, wenn es ausreichende Infrastruktur für alle „aktiven“ Verkehrsmittel gäbe. Fahrradfahren auf der Fahrbahn? weiterlesen

Parking Day: Bremer Verkehrshölle wird zivilisiert

Die Friedrich-Ebert-Straße in der Bremer Neustadt ist stark verkehrsbelastet, besser gesagt: Eine vierspurige Verkehrshölle .

An dieser Straße wohnen Menschen, die tagtäglich unerträglichem Lärm und Gestank ausgeliefert sind. Denn diese 30 m breite Straße mit Ausweitung auf 60 m kurz vor der Wilhelm-Kaisen-Brücke bietet viel Platz für alles, was vier und mehr Räder hat.

FußgängerInnen und RadfahrerInnen dagegen müssen sich den knapp bemessenen (4 m) Bürgersteig teilen. Die Fahrbahn kann von ihnen nur an wenigen Stellen sicher überquert werden.


Friedrich-Ebert-Straße: Wenig Platz für den Alltagsradverkehr, Foto: Wolfgang Köhler-Naumann

Ist das noch zeitgemäß, muss das so sein?  Wir finden: Nein, und wollten zeigen, dass es auch anders geht. Parking Day: Bremer Verkehrshölle wird zivilisiert weiterlesen

Habemus „Protected Bike Lanes“: Ein Friedensangebot?!

Wer sich um Verkehrspolitik kümmert, wird zwangsläufig immer wieder mit dem Thema Sicherheit konfrontiert. Mit Sicherheitsargumenten werden Radwege abgelehnt, aus genau dem Grund werden sie gefordert. Fahren im Mischverkehr wird von Einigen aus Sicherheitsgründen empfohlen und von Anderen vehement abgelehnt.


Demonstration für einen Radweg an der Danziger Strasse in Berlin. Veranstalter: Netzwerk Fahrradfreundliches Pankow, 5.7.2017  (Foto: Changing Cities / Norbert Michalke)

Beim Fahrradfahren geht es um sogenannte objektive Sicherheit versus subjektivem Komfortgefühl, in den Niederlanden wird eine „nachhaltige Sicherheit“ empfohlen, Kopenhagen setzt vorrangig auf „subjektive Sicherheit“. Und jetzt kommt auch noch der/die/das „Protected Bike Lane“(zu Deutsch: Geschützte Radfahrstreifen) als neue Variante. All dies ist schon ziemlich verwirrend und bedarf der dringenden Klärung.

Worum geht es hier eigentlich? Wer sagt was und warum?

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Berliner Volksentscheid Fahrrad: Von der Graswurzelbewegung zum Mobilitätsgesetz


Am 28. Juni 2018 verabschiedete das Berliner Abgeordnetenhaus das Gesetz zur Neuregelung gesetzlicher Vorschriften zur Mobilitätsgewährleistung, kurz MobiG. Dem ging eine über zweieinhalb Jahren andauernde Kampagne der Initiative Volksentscheid Fahrrad in Berlin und ihrem Trägerverein Changing Cities e.V voraus.


Sit-in des Volksentscheid Fahrrad an der Oranienstrasse, 22.10.17

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Männer und Frauen – Der kleine Unterschied beim Radfahren

„Das Bicycle hat zur Emanzipation der Frauen aus den höheren Gesellschaftsschichten mehr beigetragen als alle Bestrebungen der Frauenbewegung zusammengenommen,“ schrieb die österreichische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Rosa Mayreder (1858 – 1938).

Englische Radrennfahrerinnen 1

Die ersten Radfahrerinnen stammten aus reichen Familien und nutzten die Möglichkeiten den einschränkenden Sitten und Gebräuchen zu entfliehen. Es war eine neue Freiheit, die den Frauen durch das Rad möglich war. In Bremen waren es Ricarda Huch und Aline von Kapff, die sich vor weit über 100 Jahren mit ihrem Fahrrad ihre Freiheit eroberten.

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Aus Elternsicht: Autofahrer ohne Rücksicht

Sonntagabend – wir kamen vom Schwimmen – sind meine achtjährige Tochter und ich beinahe von einem Auto überfahren worden, als wir – völlig legal – die Straße überquerten, in die der Fahrer nach links einbog.


An der Ecke Kornstraße/Kirchweg

Das passiert uns ziemlich oft, denn die Verkehrskontrollen in Bremen sind eher lasch, und AutofahrerInnen lassen ihre Frustrationen leider oft an den „Schwächeren“ aus.Diesmal passierte es an der Ecke Kirchweg/Kornstraße in der Bremer Neustadt nur wenige Meter von unserer Haustür entfernt.

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Fahrradstraßen in Bremen: Paradebeispiel Humboldtstraße

Humboldtstraße
Humboldtstraße

Ganz besonders stolz ist die Bremer Politik auf die Umgestaltung der Humboldtstraße in eine Fahrradstraße. Der Umbau erfolgte übrigens nicht, weil die ExpertInnen diese Straße für die ideale Fahrradstraße hielten, sondern weil „Hansewasser“ Kanalsanierungsarbeiten durchführen wollte. In der schon genannten neuen Broschüre auf Seite 148 ist jedoch gar nicht das Wohl der FahrradfahrerInnen das oberste Ziel sondern das der FußgängerInnen, es ging um mehr Raum für FußgängerInnen. Erst dann folgt im Text: Mehr Sicherheit für den Radverkehr.
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Fahrradstraßen: Ist drin, was drauf steht?

Was sind eigentlich Fahrradstraßen?

Fahrradstraßen sind neben Radwegen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen und vielen mehr nur ein Instrument zur Förderung des Radverkehrs. Das Grundkonzept –  laut Straßenverkehrsordnung –  ist eine Straße ohne Kfz-Verkehr (Ausführungen zu Zeichen 244.1):
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